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Experten auf Zeit sind immer mehr gefragt – ein Praxisbericht

Karl-Hubertus Ambos war in der Industrie in internationalen Unternehmen tätig, davon zuletzt 20 Jahre als Geschäftsführer von deutschen Niederlassungen. Heute ist er als selbstständiger Experte in den Bereichen Interim Management, Vertrieb, Sanierung sowie Restrukturierung und Projektmanagement unterwegs.

Herr Ambos, vor sieben Jahren haben Sie sich selbstständig gemacht. Wie zufrieden sind Sie seitdem mit dieser Entscheidung?

Sehr zufrieden. Dass der Weg als selbstständiger Interim Manager genau der richtige für mich war, hat mir gleich mein erstes Projekt gezeigt: Da ging es um ein deutsches renommiertes Spielwarenunternehmen, das kurz vor der Insolvenz stand. Ich sollte mich um die Restrukturierung und Sanierung kümmern. Da habe ich Feuer gefangen – und mich im Laufe meiner Selbstständigkeit auf exakt diese Bereiche konzentriert. Meine bisherige berufliche Erfahrung hat mir dabei geholfen, Kompetenz aufzubauen. Heute bin ich sehr froh, diese Wahl getroffen zu haben. Es ist einfach befriedigend, in mittelständischen Unternehmen tätig zu sein, und ich freue mich immer, wenn ich einen Beitrag zum Erfolg der Unternehmen leisten kann.

Wie sah Ihr letztes Projekt aus und worin lagen dabei die besonderen Herausforderungen?

Da ging es um ein Unternehmen, dessen Inhaber verstorben war. Die Witwe übernahm das Ruder, war aber mit der Situation überfordert. Hinzu kam noch, dass der zweite Mann des Unternehmens in den Ruhestand ging und somit in den Bereichen Fertigung und Entwicklung ein weiteres Loch riss. Das Unternehmen stand kurz vor der Zahlungsunfähigkeit - die finanzierende Bank wurde unruhig und sperrte die Kredite. Keine erfreuliche Situation.

Was glauben Sie, warum hat man in dieser Lage gerade auf einen selbstständigen Spezialisten zurückgegriffen?

Die Inhaberin konnte schon längere Zeit nicht mehr gut schlafen. Sie brauchte jemanden, der flexibel und kurzfristig einsetzbar war, daher wandte sie sich an einen Personaldienstleister. So kamen wir zusammen.

Und was haben Sie getan?

Als Erstes mussten die Linien bei der finanzierenden Sparkasse wieder geöffnet werden. Deshalb telefonierte ich umgehend mit einem Vorstand, der kurzfristig eine Besprechung einberief. Dort konnte ich eine positive Zusage erreichen, die Bank öffnete die Kontokurrentlinie wieder. Im Gegenzug musste eine Fortführungsprognose erstellt werden, was ich dann auch sofort in Anlehnung an IDW S6 tat. Im nächsten Schritt konnten wir dann Umschuldungen vornehmen, so dass wir den Rücken gegenüber der Sparkasse wieder weitgehend frei hatten.

Was stand als nächstes an?

Eine ganze Menge: konsequentes Lagermanagement zur Lösung der Liquiditätskrise, dann organisatorische Anpassungen, um die Führung der Fertigung sicherzustellen; die Optimierung der Fertigungsplanung und -steuerung, um die termingerechte Lieferung wiederherzustellen und nicht zuletzt die Generierung von Umsatzwachstum auf der Basis eines überarbeiteten Vertriebskonzeptes.

Das klingt nach einer großen Herausforderung. Wie geht es dem Unternehmen aktuell?

Gut. Das Verhältnis zur Bank ist entspannt, das Unternehmen hat wieder eine ausreichende Liquidität und schreibt schwarze Zahlen. Der Geschäftsbetrieb geht seinen normalen Gang, hat aber natürlich auch seine Herausforderungen. Deshalb haben die Eigentümer und ich beschlossen, dass ich ihnen auch künftig als Ratgeber treu bleibe.

Wenn man so ein Projekt positiv abschließt, ist das ja auch oft ein Garant dafür, dass man anschließend schnell und einfach in Folgeprojekte vermittelt wird. Wie schätzen Sie dabei die Rolle von spezialisierten Dienstleistern für selbstständige Experten ein?

Personaldienstleister machen beide Seiten zu Gewinnern - den Interim Manager und das Unternehmen. Der Manager kann die volle Kraft in sein Projekt stecken, weil er sich nicht parallel um die Akquisition kümmern muss. Und das Unternehmen kann dank des Dienstleisters kurzfristig kompetente Unterstützung für individuelle Problemstellungen einkaufen. Dabei gibt es kein Risiko, das Engagement ist zeitlich begrenzt und kann jederzeit beendet werden.

Wo sehen Sie persönlich Stolpersteine für selbstständige Wissensarbeiter bei ihrer täglichen Arbeit?

Beim Thema Scheinselbstständigkeit. Darüber wird nach wie vor viel diskutiert und das sorgt auch bei Kunden für Verunsicherung.

Wie könnte sich das Ihrer Meinung nach ändern?

Eine deutlichere Positionierung der Politik wäre hilfreich, denn es wird für die Industrie immer wichtiger, themen- und projektbezogen über einen gewissen Zeitraum Mitarbeiter ins Unternehmen zu holen, die etwas aufbauen oder verändern sollen und das abgeschlossene Projekt dann anschließend in den Regelbetrieb übergeben.

Trotz dieser rechtlichen und gesetzlichen Herausforderungen hat eine repräsentative Umfrage von KRONGAARD ergeben, dass über 70 % der befragten selbstständigen Experten mit ihrer Tätigkeit sehr zufrieden sind. Wie ist Ihr persönlicher Eindruck des Marktes und welchen positiven Ausblick geben Sie der selbstständigen Wissensarbeit?

Also, eine steigende Nachfrage ist ganz klar da. Und mit den ständig neuen Herausforderungen, denen sich Unternehmen stellen müssen, ist es immer hilfreich, sich gezielt neues Wissen ins Haus zu holen. Denn nur so kann notwendiger Wandel gestaltet werden.

Herr Ambos, vielen Dank für das Gespräch.