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Licht am Ende des Tunnels – erkennt auch die Politik die Bedeutung beratender Selbstständigkeit für die projektbasierte Arbeitswelt?

In Zeiten der Digitalisierung und einer von ständigen neuen Anforderungen geprägten projektbasierten Arbeitswelt sind erfolgreiche Projekte ohne die punktgenaue Verstärkung durch externe Experten kaum noch vorstellbar. Die Möglichkeit, Spezialwissen auf Zeit einzukaufen, um sein Projekt, sein Team, sein Unternehmen schnell und agil auf die sich ständig verändernde Umwelt einzustellen, ist eine Schlüsselkomponente der Wettbewerbsfähigkeit im digitalen Zeitalter.

„Chancen der Digitalisierung nutzen“ dürfte es auf der Liste der am häufigsten genutzten Phrasen 2018 in der Politik sicher auf die Top-5-, vielleicht sogar auf die Top-3-Liste geschafft haben. Gut, aber wie – und was genau? Und vor allem: wer? Digitalisiert wird Schritt für Schritt, Geschäftsprozess für Geschäftsprozess, agil, ausprobierend, in einem konstanten Lernprozess, in vielen kleinen und großen Projekten.

Und diese Projekte werden von Menschen gemacht – von Menschen, die analysieren, Prozesse beschreiben, sich digitale Geschäftsmodelle ausdenken und digitale Lösungen entwickeln. Agilität, Flexibilität und vernetztes Denken sind Fähigkeiten, die im Vordergrund stehen. Das bedeutet auch, dass ein Unternehmen sich in einem vernetzten Arbeitsmarkt schnell und einfach genau die Kompetenzen kurzfristig modular einkaufen können muss, die es aufgrund des rasanten Wandels intern noch nicht aufbauen konnte.

Ein Beispiel: Ein Mittelständler mit überschaubarem Digitalisierungsgrad denkt über Möglichkeiten der Nutzung der vorhandenen Kundendaten nach und darüber, ob KI dabei helfen kann, Kundenbedürfnisse präziser und datenbasiert vorhersagen zu können. Die Rolle des „Data Scientists“ gab es aber noch nie, und internes Wissen zu Big Data und KI ist kaum vorhanden.

Damit es nicht beim Nachdenken bleibt, stellt das Unternehmen ein agiles Team auf. Interne Wissensträger entwickeln eine Zielsetzung und werden bei der Umsetzung von selbstständig arbeitenden, unabhängigen Experten beratend begleitet, die schon zuvor einem Mittelständler erfolgreich bei der Digitalisierung vitaler Prozesse geholfen haben. Neben einer im Vergleich zur Do-it-yourself-Variante deutlich verkürzten Time to Market schafft man so im Nebeneffekt einen schnellen Kompetenzaufbau bei den eigenen Mitarbeiter und stellt sich für die Zukunft auf.

Dieser schnelle, unkomplizierte zeitlich befristete Zugang zu hochspezialisiertem Wissen von erfahrenen Experten wird weiter an Bedeutung gewinnen und in Zeiten von „New Work“ zu einem der wichtigsten Bausteine erfolgreicher Unternehmen werden. Denn viele Menschen in den beratenden Technologieberufen wählen bewusst den Weg in die Selbstständigkeit für sich. In der Konsequenz werden ihr Wissen und ihre Erfahrungen dem Markt also gar nicht mehr anders zur Verfügung stehen als auf diesem Wege.

Leider war es hierzulande früher häufig so, dass diese Form des Arbeitens mit einem sehr misstrauischen Blick beäugt wurde. So baut die Abgrenzung selbstständiger von nichtselbstständiger Arbeit immer noch auf einem Verfahren auf, das beispielsweise den „Einsatz von Kapital“ für die Anerkennung einer selbstständigen Tätigkeit auch dann immer noch bedeutsam findet, wenn die freiberufliche, beratende Form des Arbeitens womöglich gar kein Kapital erfordert.

Aber: Es ist so etwas wie ein Licht am Ende des Tunnels zu sehen.

Denn seit einiger Zeit ist zu spüren, dass sich parteiübergreifend etwas bewegt. Und gerade in den letzten Monaten mehren sich die Zeichen, dass die selbstständige Expertenarbeit auch politisch den Stellenwert bekommt, den sie verdient.

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales begann bereits mit der Gründung der „Denkfabrik Digitale Arbeitswelt“ 2018 einen Dialog, wie auch andere Stellen im Ministerium Handlungsbedarf erkannt haben und sich mit Vertretern von Verbänden, Wirtschaft und Gewerkschaften um Lösungen bemühen. KRONGAARD hat als Gründungsmitglied des Bundesverbandes Selbständige Wissensarbeit an vielen Gesprächen und Formaten teilgenommen und gemeinsamen mit den Partnern des Verbandes Lösungsvorschläge konzipiert.

Aus der Wissenschaft sind Aufsätze zu lesen, die Differenzierung anmahnen und Rechtssicherheit für die Selbstständigen fordern, die nicht „schutzbedürftig“ sind.

Anfragen der Grünen und der FDP im Bundestag fordern Transparenz und erkennen erheblichen Reformbedarf, und erst vor wenigen Tagen veröffentlichte das SPD-Wirtschaftsforum ein neues Positionspapier und fordert unter der Überschrift „Eine digitale Arbeitswelt bedarf des rechtssicheren Einsatzes von Digitalisierungsexperten!“ dringende Reformen.

Das ist gut und wichtig, und es zeigt, wie wichtig der Dialog von Politik und Wirtschaft ist, wenn es um entscheidende Zukunftsthemen geht. Denn am Ende ist eine gute Lösung für die projektbasierte Arbeitswelt und Selbstständige für alle Beteiligten bedeutsam: für die Expertinnen und Experten, die Unternehmen, die Gründungskultur, die Digitalisierung in Deutschland – und damit für die Wettbewerbsfähigkeit und die Arbeitsplatzsicherheit der Zukunft.

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