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Leistungsfähig in der Krise: Heute wird ein guter Tag

Selbständigkeit Arbeitswelt

Leistungsfähig in der Krise: Heute wird ein guter Tag

von Tonio Goldberg
Lesedauer 10 Min.

Andreas Kuffner war einer der erfolgreichsten Ruderer Deutschlands. Heute ist er Coach für Teamentwicklung und gesunde Leistungsfähigkeit. Was ihn der Sport über Resilienz, Fokus und positiven Tatendrang gelehrt hat und wie jeder im Berufsalltag von diesen Erfahrungen profitieren kann, hat er uns in einem Webinar verraten.

 

Leistungsfähig in der Krise: Heute wird ein guter Tag

Die aktuelle Krise fordert uns heraus. In einer hohen Taktzahl prasseln Herausforderungen auf uns ein. Wir werden kommunikativ gefordert und müssen schnell mit neuen Techniken umgehen. Leistungsfähigkeit ist in diesen Zeiten wichtig, aber nicht selbstverständlich. Doch wie erreichen wir eine gesunde Leistungsfähigkeit und damit zu einem gewissen Maße auch Zufriedenheit mit unserer Arbeitsweise und den Resultaten?

Andreas Brück - Division Manager Sales der KRONGAARD AG - fasst die wichtigsten Learnings aus dem Webinar mit Andreas Kuffner zusammen.

Im Gespräch mit dem Experten

Seine Mission ist es, Menschen zu inspirieren und sie mit ihren ganz individuellen Potentialen dabei zu unterstützen, in die volle Kraft zu kommen und so Champions in ihrem ganz persönlichen Leben zu sein.

Andreas Kuffner - Experte für Resilienz und Teamentwicklung

Die Formel zur
Leistungsfähigkeit?

Andreas Kuffner, lange Zeit ein deutscher Top-Ruderer, Weltmeister und Olympiasieger, verfolgt einen mathematischen Ansatz. Er arbeitet mit einer Formel. Sie heißt: L = P - S.

L beschreibt die Leistungsfähigkeit einer Person oder eines Unternehmens. P ist das Potenzial eines Menschen oder einer gesamten Organisation. S steht für die Anzahl der Störfaktoren, die uns beim Streben nach Leistungsfähigkeit behindern. Das können innere und äußere Einflüsse sein.

Als Ruderer im Deutschlandachter sah sich Andreas Kuffner mit vielen Herausforderungen konfrontiert.

Jedes Jahr musste er sich aufs Neue für das Team qualifizieren. Acht fantastische Ruderer saßen in diesem Boot, das ständig seine Besatzung wechselte. Neun verschiedene Menschen inklusive Steuermann mussten harmonieren. In so einem Boot lauern viele zwischenmenschliche Störfaktoren. Dazu kommen äußere Einflüsse, die selbst Spitzensportler nur sehr schwer oder gar nicht beeinflussen können. Zum Beispiel das Wetter, besonders der Wind, oder die Stärke der Gegner.

“Damit wir unser Maximum an Leistungsfähigkeit erreichen können, müssen wir die beeinflussbaren inneren Störfaktoren reduzieren. Davon ist der Erfolg eines Menschen oder einer Unternehmung abhängig”, sagt Andreas Kuffner im KRONGAARD Webinar. Dort blickt er auch auf seine Karriere zurück – und die Hindernisse, die er überwinden musste.

Mehrmals wurden seine Ruderpartner vor wichtigen Wettkämpfen krank, oder er verpasste bedeutende Rennen, weil sein Teamkollege eine unangemeldete Dopingkontrolle versäumte und kurzfristig gesperrt wurde. Erst über viele Umwege kam Kuffner ans Ziel, gewann dort aber die großen Titel.

Mit Rückschlägen umgehen

Andreas Kuffner hat gelernt, mit Rückschlägen umzugehen. Trotzdem traf ihn die Corona-Pandemie zu Beginn ebenfalls unvorbereitet. Er hatte als selbständiger Unternehmer gut geplant. Seine Auftragsbücher waren voll. Und plötzlich fielen sämtliche gebuchte Coachings aus. Wie geht jemand, der Druck gewöhnt ist, mit so einer Situation um?
Andreas Kuffner sagt: “Als Sportler habe ich gelernt, dass ich mich vor einer großen Herausforderung in einem funktionalen Bewusstseinszustand bringen muss. Unsere Performance wird von vielen Faktoren beeinflusst. Unsere Gedanken, unsere Gefühle, unsere Emotionen, ganz wichtig unsere Physiologie. Was kann ich dafür tun, damit es mir aktiv gut geht?”

Kuffner empfiehlt als sogenannten Quick-Win Atemübungen. Nicht nur im Leistungssport ist die Atmung ein wichtiger Hebel. Über gleichmäßiges und rhythmisches Atmen können wir wieder eine wertvolle Verbindung zu unserem kognitiven System herstellen. Der Mensch führt etwa 23.000 Atemzüge pro Tag durch. Wenn jemand schlecht atmet, zu kurz zum Beispiel, wirkt sich das auf das gesamte Bewusstsein aus.

Generell rät Kuffner, dass sich jeder Mensch vor einer Herausforderung aktiv fragen sollte, welcher Zustand für die erfolgreiche Erledigung dieser Aufgabe benötigt wird. Dazu gehören folgende Fragen:
 

Was gibt uns Energie?
Was raubt uns Elan?


Kuffner erklärt: “Nur durch dieses permanente Hinterfragen können wir Muster entdecken, die uns in der Leistungsfähigkeit behindern oder positiv beeinflussen, damit wir ideale Ergebnisse erreichen. Der richtige Zustand, der Flow, ist die Bedingung für eine hohe Performance.”

Flow – im Fluss zum Glück

Der Flow beschreibt eine Situation, in der Menschen mit ihrem Umfeld harmonieren, sie alles in einem Fluss und ablenkungsfrei abarbeiten
können. Der Flow sei ein Zustand von hoher Leistungsfähigkeit, referiert Kuffner im Webinar. "Jeder sollte sich fragen: Wann war ich schon mal in einem Flow? Was waren damals die Gegebenheiten, unter denen dieser Arbeitsfluss entstand? Gab es spezielle Bedingungen, Ressourcen, eine besondere Atmosphäre? Wie kann ich diese Ressourcen und Bedingungen in einen für uns notwendigen Kontext transferieren?”, sagt Kuffner.

Wenn Mitarbeiter es regelmäßig schaffen, in einen Flow zu kommen, dann werden sie individuell und auch ihre Firmen erfolgreicher sein. Eben weil es leichter ist, sich in diesem Zustand hochdynamischen Prozessen in einer sich stetig verändernden Welt anzupassen.

Der Change-Prozess zum Glück

Diesen idealen Zustand können Mitarbeiter und Unternehmen erreichen, indem sie die zwölf Etappen eines sogenannten Change-Prozesses schnell in einer passenden Geschwindigkeit und gleichzeitig intensiv und bewusst durchschreiten. Laut Andreas Kuffner lassen sich diese zwölf Stepps in vier Bereiche sortieren.

Das Aufwachen:

1. Wir befinden uns ungestört in der Komfortzone

2. Eine Challenge bricht über uns herein

3. In uns brodelt Widerstand gegen die Veränderung, die die  Challenge von uns fordert

Die Verantwortung:

4. Unser Widerstand lässt nach

5. Wir commiten uns mit der Situation, nehmen sie an

6. Wir beginnen mit der Planung, um die Challenge zu meistern

Der Durchbruch:

7. Wir beginnen mit der Arbeit

8. Wir gehen hier die extra Meile in eine intensive Arbeit

9. Wir spüren die Entwicklung auch körperlich.

Die Veränderung:

10. Wir kehren mit einem anderen Zustand und neuer Leistungsfähigkeit und Zufriedenheit zurück

11. Wir können die Entwicklung anwenden und abliefern

12. Durch die Veränderung, die wir selbst erlebt haben, werden wir inspiriert und inspirieren andere

 

Der Bullshitfilter

Damit wir diese Phasen nachhaltig und erfolgreich meistern, müssen Mitarbeiter und Führungskräfte lernen, sich auf das Wesentliche zu fokussieren. Das heißt: Sie sollten keine Energie verschwenden, um das Unkontrollierbare kontrollieren zu wollen. Das funktioniert nicht. Menschen sollten daher lediglich das kontrollieren wollen, was sie auch beeinflussen können. Andreas Kuffner spricht von einem Bullshitfilter und empfiehlt drei Schritte:

  • Sich fragen, was einen momentan beschäftigt
  • Eruieren, worauf wir wirklich Einfluss haben
  • Sich auf das Kontrollierbare konzentrieren und dafür die Kraft und Energie aufwenden

Andreas Kuffner sagt: “Wir lösen so nicht alle Probleme. Aber wir reduzieren die Anzahl und die Komplexität der Störungen, wenn wir fokussiert mit der Lösungssuche beginnen.”

Selbstreflexion als Erfolgsrezept

Im Deutschlandachter hatten Kuffner und seine Kollegen ein klares Erfolgsrezept: Nach jedem Training haben sie im Team gemeinsam reflektiert. Was war gut? Was war nicht so gut? Woran können wir als Erstes arbeiten? "Wir fragten uns jedes Mal:
 

Was können wir dafür tun, dass dieses Boot schneller wird”


Was bei ihm im Sport funktionierte, das klappt auch in Unternehmen. Jeder Mitarbeiter und jedes Team kann und sollte regelmäßig reflektieren. Folgende Fragen seien dafür essenziell, erklärt Kuffner:

  • Wie geht es mir wirklich?
  • Wie wirkt sich ein aktuelles Problem auf mich aus?
  • Was ist der Situation geschuldet, also kommt von außen (wie Corona) und wo bin ich selbst für Hindernisse verantwortlich?
  • Welchen Zustand strebe ich stattdessen an?

Positiv sein, Momentum erzeugen

Das Schlussplädoyer von Andreas Kuffner:

“Wenn ich die Probleme erkannt habe, dass Machbare vom Unmöglichen destilliert habe, bin ich bereit für den Flow. Über Rituale und Gewohnheiten kann ich diesen initiieren. Hier gilt es, dass jeder für sich herausfindet, welche Routinen und Gewohnheiten passend sind.

Durch Routinen erzeuge ich ein Momentum, eine positive Grundstimmung, die den Flow vorbereitet. Als Sportler habe ich mir immer gesagt, dass heute ein guter Tag wird. Weil ich ihn eben dazu machen. Es braucht eine aktive Reflexion und eine Verantwortungsübernahme für die eigene persönliche Reise.”

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